Valparaíso – das Paradiesstal – ist eine an der Pazifikküste gelegene Hafenstadt in Chile. Aber sie ist nicht nur irgendeine Stadt. Einmal durch den Besucher erobert, bleibt sie unvergessen!
Die Stadt liegt an einer Bucht des Pazifischen Ozeans, etwa 120 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Santiago de Chile. Der historische Stadtkern mit seiner Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert wurde 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Valparaíso ist auf zahlreichen Hügeln (Cerros) erbaut. Die Stadt ist ein Labyrinth aus verwinkelten Straßen, Treppen und bunten Häusern, die an den Hängen emporragen.
Valparaíso – die StreetArt-Metropole
Wer Valparaíso durchstreift, dem fallen sofort die unzähligen bunten Fassaden ins Auge, die das Stadtbild prägen. Doch im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland dominiert hier nicht klassisches Graffiti, sondern vielmehr anspruchsvolle Street-Art. Dabei handelt es sich häufig um tiefgründige, gesellschaftskritische Kunst, deren Motive sowohl inhaltlich als auch optisch eng mit ihrer jeweiligen „Leinwand“ verschmelzen.
Aufgrund dieser Symbiose dienen die Kunstwerke den zahlreichen Touristen als begehrtes Fotomotiv, wodurch die ursprüngliche Botschaft der Street-Art in die ganze Welt hinausgetragen wird. In der Folge hat sich Valparaíso völlig zurecht als die unangefochtene Kunst- und Kulturmetropole Chiles etabliert.
Eine der prägendsten Akteurinnen dieser Szene ist die Künstlerin Magdalena Cañas. Obwohl sie ursprünglich aus Santiago de Chile stammt, hat sie mittlerweile in Valparaíso ihre Wahlheimat gefunden, wo sie vor allem für ihre großflächigen Wandgemälde bekannt ist.
Ihre Arbeiten zeichnen sich insbesondere durch realistische und zugleich farbenfrohe Mädchenfiguren aus, wobei sie geschickt ökologische Aspekte mit sozialen Themen verknüpft. Aufgrund ihrer einzigartigen Bildsprache ist sie längst nicht mehr nur lokal verwurzelt, sondern agiert international, sodass ihre Werke heute auch in Ländern wie Deutschland, Frankreich und den USA zu bewundern sind.
Das Bild des schlafenden Mädchens oben soll mit den Leuten auf der Straße kommunizieren. Denn das Haus liegt mitten in der Feiermeile der Jugendlichen. Das Gemälde „Niña Gigante“ soll in ihrer Sprache zu ihnen sprechen: Hier schlafen Kinder – bitte nehmt Rücksicht!
Die „Ascensores“
Eine architektonische Besonderheit, die untrennbar mit dem Labyrinth aus Treppen verbunden ist, stellen die historischen Schrägaufzüge (Ascensores) dar. Da die Stadt auf über 40 Hügeln erbaut wurde, dienen diese Konstruktionen bereits seit dem späten 19. Jahrhundert als unverzichtbares öffentliches Verkehrsmittel. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die teils extremen Höhenunterschiede zwischen der „Plan“ – also der flachen Unterstadt am Hafen – und den dicht besiedelten Hügeln effizient zu überwinden.
Obwohl viele dieser Aufzüge mittlerweile unter Denkmalschutz stehen, sind sie nach wie vor tief im Alltag der Bewohner verwurzelt. Dadurch bilden sie nicht nur ein technisches Denkmal, sondern auch das soziale Bindeglied zwischen den verschiedenen Ebenen dieser vertikalen Stadt.
Der älteste noch funktionierende Aufzug ist der Ascensor Concepción, der bereits 1883 eingeweiht wurde. Damals wurden sie noch mit Dampf betrieben, bevor man später auf Elektrizität umstellte.
Von den ursprünglich über 30 Aufzügen sind heute noch etwa 16 als nationale Monumente geschützt. Sie sind der Hauptgrund, warum das Transportsystem von Valparaíso weltweit als einzigartig gilt.
Pablo Neruda - der Vagabund von Valparaíso
Valapariso war einer der Wohnorte des Dichters Pablo Neruda, der sich selbst gern als „Vagabund von Valparaíso“ bezeichnete. Die Chilenen lieben ihren Dichter über alles, und so kann man trotz der jahrelangen Verfolgung und Zerstörung des Andenkens an Neruda durch die Militärjunta heute das Haus wieder so besichtigen, wie es Neruda einst eingerichtet hat.
„Valparaíso, wie absurd du bist… „Du hast dir das Haar nicht gekämmt, du hattest nie Zeit, dich anzuziehen, das Leben hat dich immer überrascht.“
Die Villa steht auf einem der zahlreichen Hügel, die einen freien Blick auf die Bucht und das Meer ermöglichen. Neruda erwarb die Villa 1961. Sie spiegelt seine Liebe zum Meer und zur Poesie wider. Genau wie der Stadtteil, in dem sie errichtet wurde, ist sie ein Chaos aus unzähligen verschachtelten Gängen, steilen Aufgängen und scheinbar willkürlich angeordneten Räumen. Vier Etagen hat das Haus – selbst für Neruda, der einem schon manischen Sammeldrang unterlag, war diese Villa zu groß und er teilte sie mit einer Bildhauerin.
Mix der Kulturen
295.000 Menschen leben in Valparaíso – einer der ältesten Städte Chiles. Ein bunter Mix aus Chilenen und Einwanderern hauptsächlich aus Europa, die in zwei großen Wellen im 19. Jahrhundert dort ihre Heimat suchten. Die Stadt mit ihren 44 Hügeln ist seit jeher das kulturelle Zentrum Chiles. Diese Hügel wirken wie in einem natürlichen Amphitheater, mit einem weiten Blick auf den Ozean. Die Häuser haben sich dieser Topografie angepasst, verschmelzen gewissermaßen mit dem Terrain.
Da der Platz auf den Hügeln begrenzt und der Untergrund oft instabil ist, wurden die Häuser oft auf Stelzen oder mit komplexen Stützsystemen direkt in den Fels gebaut. Das führt zu diesem faszinierenden, organischen Chaos, das heute den Status als UNESCO-Welterbe rechtfertigt.
Die 44 Hügel (Cerros) sind dabei weit mehr als nur Geografie – jeder Hügel hat seine eigene Identität, seine eigene soziale Struktur und oft sogar seinen eigenen kleinen Mikrokosmos.
Viele der Häuser sind noch klassisch aus Holz gebaut, denn 1906 gab es ein großes Erdbeben mit einer Stärke von 8,2, bei dem 4000 Menschen starben. Starke Erdbeben sind im pazifischen Feuerring nichts Ungewöhnliches. Das stärkste jemals gemessene Beben (mit einer Magnitude von 9,5) wurde 1960 bei Valdivia gemessen. Meist sind es ganze Serien von Beben. Das letzte Erdbeben in der Region Valparaíso war am 25. April 2017 – zum Glück waren keine Opfer zu beklagen.