Perito Moreno – Argentinien – blaues Eis

Kurz zusammengefasst

Perito Moreno Gletscher in Argentinien: das blaue Eis in Fotos von Robert Müller – 44one.de

Perito Moreno Glacier
Perito Moreno Glacier

Einen Gletscher hatte ich noch nie zuvor gesehen. Als Thüringer hatte ich nicht mal eine wirkliche Vorstellung davon, außer natürlich, dass er aus uraltem Eis besteht. Im Rahmen meiner Reise durch Argentinien und Chile im Jahr 2020 hatte ich dann die Gelegenheit, den Perito Moreno zu besuchen.

Der Perito-Moreno-Gletscher ist eine der größten Touristenattraktionen Argentiniens und befindet sich im Nationalpark Los Glaciares, einem UNESCO‑Weltnaturerbe. Der auch Bismarck- oder Francisco-Gormáz genannte Gletscher ist ein sogenannter Auslassgletscher im größten Gletschergebiet der südamerikanischen Anden. Wer Patagonien im Südwesten Argentiniens besucht, kommt am Besuch des Perito Moreno nicht vorbei.

Gut zu wissen: beste Reisezeit

Oktober bis April, wenn die Tage länger und das Wetter milder ist.
Dezember bis Februar ist Hochsaison mit den meisten Besuchern – wer es ruhiger mag, kommt im Oktober/November oder März/April.

Die Farben? Ein Traum! Türkisblau schimmert es. Reinweiß in der Sonne. Graue Schlieren ziehen sich durch das Eis. Eine Natursymphonie in Blau und Weiß. Wenn die Sonne draufscheint, funkelt es wie Milliarden Diamanten.

Perito Moreno
Eis so weit das Auge reicht – der Perito Moreno-Gletscher
Fantastische Landschaften: Perito-Moreno-Eisgletscher
Fantastische Landschaften: Perito-Moreno-Eisgletscher

Der nachwachsende Gletscher

Dann hörst du es. Ein Knistern. Ein Grollen. Plötzlich ein Donnern! Riesige Eisbrocken lösen sich. Sie stürzen in den Lago Argentino. Ein Spektakel, das dir den Atem raubt. Jedes Mal anders, jedes Mal magisch.

Aber was steckt hinter diesem Wunder? Der Perito-Moreno-Gletscher kalbt ins Wasser, aber gleichzeitig schiebt er sich von hinten nach – ein fortlaufendes Gleichgewicht zwischen Abbruch und Nachschub. Lange galt er deshalb als einer der wenigen Gletscher weltweit, der nicht schrumpft, sondern stabil bleibt. Neuere Untersuchungen zeigen allerdings, dass sich auch hier der Rückgang seit etwa 2022 beschleunigt hat – ein Hinweis darauf, wie sehr sich selbst ein scheinbar beständiges Naturphänomen wandeln kann. Nach wie vor bildet sich manchmal eine riesige Eisbrücke, die den Gletscher mit dem Festland verbindet. Dann bricht sie spektakulär zusammen. Ein unvergessliches Ereignis.

Perito heißt etwa „kompetent“ oder „Experte“. Moreno war der Nachname von Francisco Pascasio Moreno, einem argentinischen Geografen und Entdecker, der sich Patagonien verschrieben hatte und unzählige Expeditionen anführte.

Als wir mit unserem kleinen Mietwagen aus El Calafate über die RP 11 in den Nationalpark Nacional Los Glaciares (übrigens der erste Nationalpark, der von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde) einfuhren, war auch noch nichts von der Gewaltigkeit und Schönheit zu ahnen. Unzählige Serpentinen winden sich entlang des Roca-See. Doch dann tauchte er plötzlich auf – fast unwirklich.

Als ich dann vor den haushohen Eistürmen stand, vor denen sogar die großen Ausflugsschiffe wie Spielzeug wirkten, war ich so überwältigt, dass ich keine Worte mehr fand.

Perito Moreno Gletscher in Argentinien von der Wasserseite aus gesehen. Fotograf Robert Müller aus Erfurt
Perito Moreno Gletscher in Argentinien von der Wasserseite aus gesehen. Fotograf Robert Müller aus Erfurt

Vielleicht stehst du an der Reling des Bootes oder auf den Holzstegen und fragst dich: „Wie kann Eis eigentlich so blau sein?“ Es wirkt fast künstlich, als hätte jemand Tinte in die Gletscherspalten gegossen. Die physikalische Erklärung dahinter ist so faszinierend wie das Bild selbst. Normales Eis, wie wir es aus dem Gefrierfach kennen, ist voller kleiner Luftblasen. Diese reflektieren das Licht in alle Richtungen – das Eis erscheint weiß.

Doch beim Perito Moreno Gletscher lastet ein unvorstellbares Gewicht auf den unteren Schichten. Über Jahrtausende wird der Neuschnee so stark zusammengepresst, dass die Luftblasen buchstäblich herausgedrückt werden. Übrig bleibt hochverdichtetes „Wassereis“. Dieses Eis ist so dicht, dass es das langwellige rote Licht schluckt und nur das kurzwellige, blaue Licht zurückwirft. Je tiefer das Blau, desto älter und kompakter ist das Eis, das du gerade betrachtest. Du blickst also nicht nur auf gefrorenes Wasser, sondern auf die konzentrierte Zeit der letzten 18.000 Jahre.

Wie Spielzeugfiguren wirken die Besucher vor dem Eis des Gletschers
Wie Spielzeugfiguren wirken die Besucher vor dem Eis des Gletschers

Am Ende des Gletschers liegt ein Arm des Lago Argentino. Dort staut sich die Eismasse erst, um dann mit großem Getöse in den See abzubrechen. Trotzdem hat sich der Perito-Moreno-Gletscher, im Gegensatz zu vielen anderen Gletschern, in den vergangenen Jahrzehnten kaum in seiner Ausdehnung verändert.

Ständig knackt und knirscht es. Das Eis schiebt sich unaufhörlich vorwärts. An der Kante brechen riesige Eistürme in den See.

Alle paar Minuten brechen riesige Eistürme vom Gletscher

Die Natur schafft fantastische Strukturen im Eis des Perito-Moreno-Gletschers.

Verschiedene Farben im Eis erzählen die Geschichte tausender Jahre
Verschiedene Farben im Eis erzählen die Geschichte tausender Jahre
Immer wieder brechen hausgroße Stücke aus der Eiswand
Immer wieder brechen hausgroße Stücke aus der Eiswand
Perito Moreno Gletscher in Argentinien von der Wasserseite aus gesehen. Fotograf Robert Müller aus Erfurt
Perito Moreno Gletscher in Argentinien von der Wasserseite aus gesehen. Fotograf Robert Müller aus Erfurt

Wie kommt man hin?

Am besten aus El Calafate mit dem eigenen Auto oder einem der zahlreichen Tour-Anbieter. Buchung online oder in den Tourbüros in El Calafate. Eine kleine, charmante Stadt in Argentinien. Von dort aus gibt es auch Busse. Die Fahrt ist schon ein Erlebnis. Du fährst durch weite Steppen. Vorbei an Seen. Und dann taucht er auf. Majestätisch. Gewaltig. Ein Anblick, den du nie vergessen wirst.

El Calafate hat einen eigenen internationalen Flughafen (FTE), der von Aerolíneas Argentinas, LAN Argentina, DAP und LADE angeflogen wird.

Tipps für deinen Moment am Eis

Um den Perito Moreno wirklich „zu spüren“, lohnt es sich, nicht nur die Aussichtsplattformen zu besuchen:

Hör genau hin: Nimm dir fünf Minuten Zeit, setz dich auf eine der Bänke und schließ die Augen. Das „Donnern“ des Gletschers ist kein Gerücht. Es klingt wie ein Pistolenschuss oder ein fernes Grollen, wenn das Eis im Inneren reißt.

Die Bootstour ist ein Muss: Erst wenn du direkt unter der bis zu 70 Meter hohen Eiswand (das entspricht etwa einem 20-stöckigen Hochhaus!) schipperst, begreifst du die Dimensionen. Die Abbruchkante reicht übrigens unter Wasser noch einmal knapp 170 Meter in die Tiefe.

Whiskey auf Gletschereis: Wenn du ein „Mini-Trekking“ auf dem Gletscher buchst, bekommst du am Ende oft einen Drink mit echtem, jahrtausendealtem Gletschereis.

Eintrittsgebühren & Öffnungszeiten für den Park (2026)

Der Eintritt wird in argentinischen Pesos berechnet und verändert sich durch die hohe Inflation im Land häufig – eine feste Zahl wäre hier nach wenigen Monaten schon wieder veraltet. Die aktuell gültigen Preise findest du direkt auf der offiziellen Seite des Nationalparks Los Glaciares.

Hier die Gebühren Anfang 2026:
Erwachsene (Ausländer) | 3.500 ARS | ~ 20 EUR
Senioren (ab 65 Jahre) | 1.750 ARS | ~ 10 EUR
Kinder (unter 5 Jahre) | Kostenlos | Kostenlos
Argentinier/Einwohner | 1.050 ARS | ~ 6 EUR
Preis kann je nach Wechselkurs variieren
Bezahlung: Bar (Peso/USD/EUR) oder per Kreditkarte an der Kasse vor Ort

Öffnungszeiten:
Sommer (September–April): 8:00–20:00 Uhr
Winter (Mai–August): 9:00–18:00 Uhr
Geschlossen: 25. Dezember und 1. Januar

Offizielle Informationen:

– Nationalpark Los Glaciares
– Turismo El Calafate

Häufige Fragen

Wie komme ich zum Perito Moreno Gletscher?

Von El Calafate aus geht es über die RP 11 in etwa eineinhalb Stunden zum Nationalpark – mit dem Mietwagen, im Bus oder als Teil einer organisierten Tour.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Für die Aussichtsplattformen reicht ein halber Tag. Wer zusätzlich eine Bootstour oder ein Mini-Trekking bucht, sollte den ganzen Tag einplanen.

Kann ich auf dem Gletscher wandern?

Ja, das geht tatsächlich. Es gibt eine kleine und eine große Trekkingtour. Das „Big Ice“-Trekking führt dich 3–4 Stunden auf dem Eis. Voraussetzungen: Trittsicherheit, gute Fitness, Mindestalter 12 Jahre. Das kleinere „Mini-Trekking“ (1,5 Stunden) ist für die meisten Gäste mit normaler körperlicher Fitness machbar.

Muss ich Tickets im Voraus buchen?

Für den reinen Zugang zu den Aussichtsplattformen meist nicht zwingend. Für Boots- und Trekkingtouren, besonders in der Hochsaison Dezember bis Februar, empfiehlt sich eine Buchung im Voraus.

Wächst der Gletscher wirklich noch?

Lange galt er als einer der wenigen stabilen Gletscher weltweit. Neuere Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass sich der Rückgang auch hier seit einigen Jahren beschleunigt.

Kann man den Gletscher nachts besuchen?

Nein, der Nationalpark ist nachts nicht zugänglich. Die Öffnungszeiten enden je nach Jahreszeit um 18:00 oder 20:00 Uhr.

Wie sicher sind die Boardwalks?

Sehr sicher. Die hölzernen Stege werden regelmäßig gewartet. Sicherheitsabstände werden markiert, aber Achtung: Auf dem nassen Holz besteht Rutschgefahr!

Sind die Boardwalks barrierefrei?

Teilweise ja. Der Hauptweg ist rollstuhlgeeignet, aber einige Aussichtsplattformen haben Treppen. Für mobilitätseingeschränkte Personen ist die Bootsreise die bessere Wahl.

Gibt es Toiletten vor Ort?

Ja, sanierte Sanitäranlagen befinden sich am Haupteingang und an mehreren Stationen entlang der Boardwalks.