Das Minack Theatre ist weit mehr als eine Bühne – es ist das Lebenswerk einer außergewöhnlichen Frau und gilt heute als eines der spektakulärsten Freilichttheater der Welt. Hoch über dem azurblauen Wasser von Porthcurno, an der Südspitze Cornwalls, verschmelzen hier dramatische Architektur und die ungezähmte Kraft der Natur zu einer einzigartigen Einheit.
Die Geschichte des Minack Theatre beginnt nicht mit einem Bauplan, sondern mit einer Vision.
Rowena Cade, eine englische Kunstliebhaberin, zog nach dem Ersten Weltkrieg nach Cornwall. In den 1920er Jahren erwarb sie das Land an den Klippen von Porthcurno für nur 100 Pfund, um dort ihren privaten Wohnsitz zu errichten.
Zum Land gehörte auch das Kliff mit dem fantastischen Blick. Rowena liebte das Theater von ganzem Herzen und bot dem örtlichen Theaterclub die Wiese vor dem Kliff als Bühne für Shakespeares Sommernachtstraum an.
Minack – das heißt in etwa "felsiger Ort" und stammt aus der kornischen Sprache. Und "felsig" - das trifft es wirklich gut. Rowena und ihr Gärtner Billy Rawlings schleppten den ganzen Winter über Steine vom Strand und dem Hang zusammen, um eine Bühne und Sitzplätze zu errichten.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass Billy, Rowena und ihre Helfer dieses Land nicht etwa mit schweren Maschinen bearbeiteten. Die Felsblöcke wurden an dem 30 Meter hohen und steilen Hang von Hand zersägt und in Position gebracht. Ein Wunder, dass außer einer Schubkarre niemand dort hinabstürzte.
Noch mit über 80 Jahren wurde sie beobachtet, wie sie an den Klippen arbeitete, oft nur mit einem Seil um die Taille gesichert.
Ein Großteil der Bauten, einschließlich der markanten Sitzreihen, wurde aus Beton gefertigt. Rowena Cade und ihre Helfer mussten den benötigten Sand in schweren Säcken die steilen Klippen hinaufschleppen. In den noch feuchten Beton ritzte sie mit einem Schraubendreher Verzierungen und die Namen der aufgeführten Stücke ein.
Wer tiefer in die beeindruckende Entstehungsgeschichte eintauchen möchte, findet zudem auf der Website des Theaters faszinierendes Bildmaterial von den damaligen Bauarbeiten
Die erste Aufführung – The Tempest
Das erste Stück, welches im Jahr 1932 zur Aufführung kam, war Shakespeares ‚The Tempest‘ (Der Sturm). Das tobende Meer im Hintergrund bildete die perfekte natürliche Kulisse für die dramatische Schiffsbruch-Szene.
Die Aufführung wurde ein enormer Erfolg. Von da an wuchs das Theater förmlich aus dem Fels und bietet bis heute eine wundervolle Bühne für 16 Aufführungen jährlich – bei fast jedem Wetter.
Das Minack-Premierenstück wird auch heute noch zum Gedenken an seine Ursprünge konsequent alle zehn Jahre als große Hauptproduktion inszeniert.
Porthcurno Beach
Unterhalb des Theaters liegt einer der schönsten Strände Cornwalls. Ein Abstieg lohnt sich nach oder vor der Vorstellung besonders.
Der Strand ist berühmt für seinen feinen, weißen Sand und das türkisblaue Wasser, was ihm eine fast tropische Anmutung verleiht – ein faszinierender Kontrast zu den rauen, hoch aufragenden Granitfelsen, die die Bucht flankieren. Aufgrund seiner geschützten Lage zwischen den Landzungen herrscht hier oft ein eigenes Mikroklima, was den Strand zu einer Oase der Ruhe macht.
Porthcurno spielt auch eine zentrale Rolle in der Geschichte der globalen Kommunikation. Ab 1870 war Porthcurno der wichtigste Knotenpunkt für Unterwasser-Telegrafenkabel, die das britische Empire mit der Welt verbanden.
PK Porthcurno (Museum of Global Communications): Das Museum befindet sich direkt im Dorf und ist absolut sehenswert. Es ist teilweise in Tunneln untergebracht, die im Zweiten Weltkrieg in den Fels gehauen wurden, um die sensible Kommunikationstechnik vor Angriffen zu schützen. Das „Cable Hut“ am Strand ist zudem das Gebäude, in dem die Kabel tatsächlich an Land kamen.
Logan Rock
Für Abenteuerlustige bietet sich ein Ausflug zum Logan Rock (original Men Omborth) an, der auf einer exponierten Felsspitze über dem Meer thront. Dort liegt ein beeindruckender, 80 Tonnen schwerer Felsblock. Seeleute balancierten ihn 1824 aus, um die Geschicklichkeit der Navy zu demonstrieren.
Obwohl der Fels ursprünglich perfekt balanciert war, musste er später aufgrund massiver Beschwerden der Anwohner über den zu großen Touristenansturm wieder etwas flacher gelegt werden. Dennoch lässt sich die enorme Leistung der Männer beim Anblick des Giganten auch heute noch mühelos erahnen.
Anreise & Informationen zum Minack Theatre
Informationen zum Strand Porthcurno
Es gibt einen großen, gebührenpflichtigen Parkplatz oberhalb des Strandes. Von dort führt ein kurzer, malerischer Fußweg (etwa 5 Minuten) hinunter zum Meer. Es wird dringend empfohlen, diesen zu nutzen, statt in den engen Straßen des Dorfes zu parken. Auch der „Land's End Coaster“-Bus hält in Porthcurno.
Da der Strand bei Ebbe recht groß ist, bei Flut die Wasserfläche aber bis an die Felsen heranreichen kann, ist es ratsam, sich vorher kurz über die Gezeiten zu informieren, damit man nicht von der aufsteigenden Flut überrascht wird.
Achten Sie auf saisonale Beschränkungen für Hunde, die meist in den Sommermonaten gelten.