Damals prägte der Piktorialismus die Fotografie. Ein Stil, bei dem Bilder nicht einfach nur fotografisch festgehalten, sondern als Ausdruck für eine Stimmung oder ein Gefühl wie eine Art Gemälde geschaffen wurden. Die Erschaffer vertraten die Ansicht, dass ein Foto mehr als die reine Abbildung der Realität sein solle. Ein typischer Vertreter dieser Stilrichtung war zum Beispiel Alfred Stieglitz:
Nehmen wir uns einen Moment, dieses Werk zu betrachten, um zu verstehen, was die Fotografen damals bewegte und warum es als Meilenstein der Fotografiegeschichte gilt.
Stieglitz fotografierte die qualmende Lokomotive 1902 in den Bahnanlagen von Long Island City, New York.
Sein Ziel war es zu beweisen, dass ein Fotograf Kunstwerke ähnlich einem Maler schaffen konnte und nicht nur dokumentarisch tätig war. Er wollte etwas Alltägliches in etwas Außergewöhnliches umwandeln und dabei gleichzeitig den Betrachter fesseln. Sein Sujet – die kalte industrielle Bahnanlage – wählte er daher ganz bewusst.
Durch das gezielte Einfangen einer bestimmten Lichtstimmung und die nachträgliche Beeinflussung von Licht und Schatten während des Entwicklungsprozesses, ging er weit über die dokumentarische Fotografie hinaus.
Auch die ersten Arbeiten von Ansel Adams waren vom Piktorialismus beeinflusst. Ein Beispiel dafür ist das Bild ‚Lodgepole Pines‘, das 1921 am Merced River im Yosemite National Park entstand.
Doch mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs setzte ein tiefgreifender Wandel ein: Die Fotografie bewegte sich weg von stilisierten Szenen hin zu einer messerscharfen Abbildung der Realität – als Ausdruck der Moderne und der fortschreitenden Industrialisierung.
Infolgedessen wandelte sich auch Adams’ Stil. Spätestens ab 1925 wich der Piktorialismus in seinem Schaffen einem konsequenten Realismus, der durch exakte Belichtung, harten Kontrast und einen extrem scharfen Fokus bestach. Er experimentierte viel in der Dunkelkammer, um die Details in seinen Bildern noch stärker herauszuarbeiten.
1930 lernte er den Fotografen Paul Strand kennen. Strand gilt heute als einer der Schöpfer der modernen amerikanischen Fotografie. Adams war vom zwölf Jahre älteren Paul Strand und seinen klar konzeptionierten Arbeiten tief beeindruckt. Strand konzentrierte sich damals hauptsächlich auf Abstraktionen, Straßenporträts und dem Einfangen der Dynamik der Städte.
Die Gruppe f/64
Die Gruppe f /64 (ursprünglich wurde f.64) wurde 1932 von Ansel Adams, Willard van Dyke, John Paul Edwards, Henry Swift, Imogen Cunningham und Sonya Noskowiak gegründet. Ihr Ziel war die Etablierung der „reinen Fotografie“. Im Gründungsmanifest von 1932 steht dazu:
„Reine Fotografie ist definiert als das Fehlen technischer, kompositorischer oder ideeller Qualitäten, die von einer anderen Kunstform abgeleitet sind„
Durch die Verwendung großformatiger Kameras sollten möglichst detaillierte, scharfe, körnungsfreie, Fotos mit hohem Kontrast entstehen, als Gegenbewegung zum damals an der Westküste etablierten.
Der Name der Gruppe leitet sich von einer sehr geringen Blendenöffnung des Kameraobjektivs ab, die eine große Schärfentiefe bei entsprechend großformatigen Kameras und Objektiven ergibt. Dazu zählen die von Ansel Adams verwendeten Großformatkameras mit einem Plattenformat von 8×10 Zoll (20,32 x 25,4 cm). Für die heute üblichen „Vollformat“-Sensoren mit 36 mm x 24 mm
Es handelte sich um eine Gegenbewegung zu dem seinerzeit vorherrschenden Stil des Piktorialismus. Von Mitgliedern der Gruppe wurde unter anderem das Zonensystem entwickelt.
Die Gruppe wandte sich mit „strengen“ eigenen Bildern gegen den „seichten Salonstil“ (Ansel Adams, Die Kamera, München 2000) und vertrat eine der straight photography ‚Reinen Fotografie‘ nahestehende Ästhetik. Mit der umfassenden Scharfzeichnung ihrer Motive löste sie sie aus der „Wirklichkeit“. Dabei nutzte die Gruppe f/64 auch den Kontaktabzug großformatiger Negative (8 Zoll (ca. 20 cm) × 10 Zoll (ca. 25 cm)) auf kontrastreichem, „hartem“ Hochglanzpapier. Skepsis bestand gegenüber der Retusche und anderen Manipulationen.
Born Free and Equal
„Der Zweck meiner Arbeit bestand darin, zu zeigen, wie diese Menschen, die unter großer Ungerechtigkeit und dem Verlust von Eigentum, Unternehmen und Berufen litten, das Gefühl der Niederlage überwunden hatten verzweifeln, indem sie sich eine lebendige Gemeinschaft in einer trockenen (aber großartigen) Umgebung aufbauen …“
https://www.loc.gov/resource/gdclccn.45002975/?st=gallery